Pädagogische Ausrichtung

Pädagogische Ziele

Bewegungsfähigkeit

 

Wissenschaftler und Lehrer haben bei vielen Erstklässlern Haltungsschäden, Übergewicht oder Gleichgewichtsstörungen festgestellt. Viele Kinder leiden unter Bewegungsmangel, ihre Grob- und Feinmotorik ist unzureichend entwickelt. Das hat weitreichende Folgen: Die seelische und geistige Befindlichkeit des Menschen korrespondiert mit seiner körperlichen Beweglichkeit. Wer sein körperliches Gleichgewicht nicht halten kann, bekommt eher Probleme mit der seelischen Balance. Auch beeinflusst die Fähigkeit sich zu bewegen, ganz entscheidend den Spracherwerb. Etwas begreifen und darauf zugehen zu können prägt die Wahrnehmung, weitet den Erfahrungshorizont des Kindes und aktiviert den Sprachentwicklungsprozess. So bereiten sich Kinder, die sich aktiv und vielseitig zu bewegen lernen, auch auf eine immer qualifiziertere Denktätigkeit vor.

 

Im Landauer Waldorfkindergarten wird deshalb besonders darauf geachtet, dass die Kinder sich vielseitig bewegen:

 

 

Wahrnehmung und Sinnespflege

 

Lass es mich hören

Und ich vergesse,

lass es mich sehen

und ich erinnere

lass es mich tun

und ich behalte.

                                               Konfuzius

 

Ein weiterer sehr wichtiger Bereich der Waldorfpädagogik ist die Sinnespflege. Im ersten Jahrsiebt, also in den ersten sieben Jahren eines Kindes, geht es nach der Anthroposophie hauptsächlich darum, dass das Kind seinen Körper ergreift, sich ganz hier auf der Welt in seinem Leib beheimaten kann, also inkarniert. Das macht es, indem es seinen Körper mit all seinen Organen ausbildet und in diesen einzieht. Damit ist zum Beispiel gemeint, wenn wir sagen: das Kind ist mit beiden Beinen auf der Welt angekommen. Wir können so seiner Ankunft aus der geistigen Welt irdisch zusehen. Dieses Einziehen in den Körper macht außerdem deutlich, dass die Sinnespflege auch als Seelenpflege zu verstehen ist. Wenn wir also die Sinne des Kindes pflegen, helfen wir immer auch der Seele sich zu beheimaten und sich wohl zu fühlen. Denn das Kind ist in seinem ganzen Sosein bzw. Dasein auch ganz Seele, so wie es ganz Körper ist.

 

Nach Rudolf Steiner verfügen wir über insgesamt zwölf Sinne, die er in drei mal vier Sinne eingeteilt hat, die unteren, die mittleren und die oberen Sinne.

 

 

Tastsinn

Lebenssinn

Bewegungssinn

Gleichgewichtssinn

 

 

Geruchssinn

Geschmackssinn

Sehsinn

Wärmesinn

 

Gehörsinn

Sprachsinn

Denksinn

Ichsinn

Die unteren Sinne sind Basis bildende, werden daher auch basale oder Wurzelsinne genannt und nehmen so im Kindergarten eine besondere Stellung ein. Durch sie nehmen wir unseren Körper, unsere Leiblichkeit wahr.

 

 

Zum Tastsinn

 

Durch den Tastsinn, die Berührung mit der Außenwelt erfahren wir ein sogenanntes Ich-Erleben, unsere Körperwahrnehmung.

 

Nur durch Berührung nehmen wir unseren eigenen Körper wahr und erlangen so Sicherheit in uns selbst. Das ist eine Voraussetzung, damit sich in der Seele später Selbstsicherheit, also Vertrauen entwickelt. Die Anthroposophen sprechen hier von „beheimatet“ sein.

Wird dieser Sinn gut gepflegt, entwickelt sich in uns Existenzvertrauen.

Gepflegt wird dieser Sinn vor allem in der eigenen Tätigkeit, wie zum Beispiel beim Sandburgen-Bauen, Brötchen-Backen, Kneten, barfuß Gehen oder Türme-Bauen. Hier spielt vor allem die Echtheit der Materialien eine große Rolle, da sie Verlässlichkeit vermittelt.

 

 

Zum Lebenssinn

 

Durch ihn nehmen wir unsere körperliche Verfassung wahr.

 

Im Ganzen lebt sich beim gesunden Menschen der Lebenssinn als Behaglichkeit aus. Jenes Durchdrungensein von Behaglichkeit, erhöht nach einer würzigen Mahlzeit, etwas herabgestimmt beim Hunger, dieses allgemeine innerliche Sich-Fühlen, das ist die in die Seele hineingestrahlte Wirkung des Lebenssinns. (Rudolf Steiner, GA 199, S.54)

 

Die Pflege des Lebenssinns sorgt für die spätere Fähigkeit Harmonie zu erleben.

Dieser Sinn wird unter anderem gepflegt bzw. erlebt, wenn das Kind sich selbst bemühen darf. Die eigene Anstrengung beim Erklimmen eines Hügels oder beim Schleppen eines Wassereimers lässt die Kinder ihre eigenen Kräfte kennenlernen.

Der im Waldorfkindergarten wichtige wiederkehrende Rhythmus oder das gemeinsame Frühstück sind Balsam für den Lebenssinn.

 

 

Zum Bewegungssinn

 

Durch ihn nehmen wir unsere eigenen Körperbewegungen wahr.

 

Aus ihm erwächst die spätere Befähigung zur Freiheit.

Dieser Sinn verlangt nach vielen verschiedenen Bewegungsarten. Im Waldorfkindergarten wird den Kindern ein reiches Angebot an hauswirtschaftlichen und handwerklichen Tätigkeiten gemacht. So können sie beim Obst- und Gemüseschneiden helfen, Brötchen backen, den Tisch decken, sägen, schleifen, schnitzen, ...

Im wichtigen freien Spiel stehen den Kindern verschiedene Bauelemente, wie kleine Leitern, Bretter, Spielständer, Hocker usw. zur Verfügung (Pikler-Elemente und Geräte von Elfriede Hengstenberg).

 

 

 Zum Gleichgewichtssinn

 

Durch ihn nehmen wir unsere Körperhaltung wahr.

 

Durch ihn entwickelt sich später innere Ruhe.

Hier ist nicht nur jedes Balancieren wie auf Baumstämmen, Balken oder Steinmauern förderlich, sondern auch Schaukeln, Hüpfen, Wippen und Klettern pflegen den Gleichgewichtssinn.

 

Buchempfehlung: Praxisbuch – Sinne wecken, von Wolfgang M. Auer

                                     Tore der Seele und die zwölf Sinne, von Albert Soesmann

 

 

 

Salutogenese

 

Salutogenese meint die Entstehung der Gesundheit.

 

Ihr Ansatz findet sich im ganzen Waldorfkindergartenalltag. Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923-1994) prägte den Begriff in den 70er Jahren als komplementären Begriff zu der Pathogenese (Entstehung der Krankheit).

 

Hier spielt die Bedeutung der Begriffe „Resilienz“ und „Koheränz“ eine entscheidende Rolle für die Gesundheit eines jeden Menschen. In der Sinnespflege finden sich jede Menge Grundlagen für die Salutogenese.

Ein Koheränzgefühl zu haben, bedeutet sich mit der Welt verbunden zu fühlen.

 

Diese Sicherheit entsteht nur, wenn das Kind durch entsprechende Erfahrungen unbewusst zu der unumstößlichen Gewissheit gelangt ist, das  die Welt bei entsprechender Bemühung

  1. prinzipiell durchschaubar ist,
  2. handhabbar und gestaltbar ist,
  3. Sinn enthält, so dass auch die eigenen Anstrengungen Sinn machen und es lohnend ist, sich auf die Herausforderungen des Lebens einzulassen.

(Leitlinien der Waldorfpädagogik: Für die Kindheit von der Geburt bis zum dritten Lebens-jahr, 1.Auflage, Stuttgart 2010,S.18)

 

Wenn wir mit den Kindern Brötchen backen, können sie sehen, wie diese entstehen, der Vorgang wird durchschaubar. Die Kinder erleben, dass sie selbst fähig sind, Brötchen zu backen, sie können selbst gestalten, der Vorgang wird handhabbar. Beim späteren Verzehren sehen sie, dass das, was sie gemacht haben, wirklich sinnvoll war, weil sie satt werden.

 

Kinder brauchen also möglichst viele dieser durchschaubaren, handhabbaren und sinnvollen Tätigkeiten, um sich gesund entwickeln zu können.

Aus diesem Kohärenzgefühl entsteht dann die Resilienz.

 

Resilienz ruht auf der tief im Lebensgefühl verankerten Gewissheit, dass die eigenen Kräfte durch die Auseinandersetzung wachsen werden und die Widerstände Anlass geben, sich selbst weiter zu entwickeln. Das Gefühl innerer Geborgenheit, Liebe, Vertrauen, Glaube, feste menschliche Bindungen, festigen die Gewissheit. (ebd) Die Kinder erlangen Widerstandsressourcen.

 

 

 

Sprache

 

Denken und Sprechen sind eng miteinander verbunden. Nur mit der Sprache können wir das Gedachte zum Ausdruck bringen, allen Dingen in der Welt einen Namen geben und miteinander ins Gespräch kommen. Dieses Instrument bedarf der frühen, aktiven und sorgfältigen Pflege. Kinder lernen sprechen in einer sprechenden Umgebung.

 

Das seelisch warme Verhältnis zwischen Kind und Erwachsenem bildet den Nährboden für eine gute und differenzierte Sprechweise. Wann Kinder zu sprechen beginnen, ist individuell verschieden. Jedes Kind braucht aber gute sprachliche Vorbilder im Erwachsenen, um in die Sprache hineinzuwachsen. Medien sind dafür kein Ersatz.

Die Sprechweise der Pädagogen sollte liebevoll, klar, deutlich, bildhaft sein und der Altersstufe angemessen. 

Im Waldorfkindergarten haben Lieder, Geschichten, Märchen, Verse, Fingerspiele und Reime einen großen Stellenwert. So lernen die Kinder spielend die Sprache und ihre Schönheit und beheimaten sich in ihr. Die Wiederholung über einen längeren Zeitraum und das rhythmische Sprechen ermöglichen auch Kindern mit einer anderen Heimatsprache das Hineinfinden in die deutsche Sprache.

 

 

Kreativität und Fantasie

 

Um uns herum ist immer mehr genormt, vorgefertigt und festgelegt. Menschliche und gesellschaftliche Entwicklung sind aber ohne Fantasie und schöpferische Kreativität kaum denkbar.

Wenn vom Erwachsenen zu Recht Ideenreichtum, seelisch-geistige Beweglichkeit bei der Lebensgestaltung und in der Arbeitswelt gefordert wird, müssen diese Fähigkeiten im Kindesalter angelegt werden. Alles Phantasievolle, alles Künstlerische weitet die Seele und das Bewusstsein des Menschen.

Schablonen, Lernmappen, zu starke Korrekturen und zu viel Spielzeug nehmen die Freude an den eigenen Lösungen und uniformieren Ideen.

 

Kinder brauchen die Möglichkeit frei zu spielen und müssen nicht beschäftigt werden!

 

Im Waldorfkindergarten nimmt die Entwicklung und Pflege der kindlichen Fantasiekräfte ganz konkrete Gestalt an. Da gibt es vorwiegend noch nicht genormte und kaum ausgestaltete Spielsachen wie Bretter, Hölzer, Tücher, Naturmaterialien, einfache Puppen. 

Geschichten, Märchen und Puppenspiele regen zu Rollenspielen und Nachahmung an.

 

Das Freispiel drinnen wie draußen gibt den Rahmen für ein Urbedürfnis des Menschen.

Spielen braucht Zeit und Raum. 

 

 

Die Bedeutung des freien Spiels

 

Die Forschung weiß heute, dass im freien Spiel das mit Abstand größte Entwicklungspotential  eines Kindes steckt. Gelingt es, dieses Potential zu fördern, hat das Kind auf seelischer, leiblicher und geistiger Ebene einen reichen Schatz für sein späteres Leben gewonnen.

 

Das freie Spiel ist für die Kinder Arbeit, mit der  sie sich die Welt zu eigen machen.

In keiner anderen Tätigkeit kann seine Selbstbildung so umfassend verwirklicht werden wie hier. Sämtliche Lernkompetenzen werden grundlegend geübt, und zugleich bietet das freie Spiel eine hervorragende Grundlage für die Entfaltung der eigenen Individualität. Es sollte „frei“ sein von Eingriffen der Erwachsenen und das Spielmaterial sollte möglichst wenig vorbestimmt sein, damit das Kind aus dem Augenblick heraus den Dingen von innen heraus ihre Bedeutung geben kann. .Das Schneckenbändchen ist z.B. Gürtel, Angel, Hundeleine, Absperrung usw.

Im freien Spiel erprobt das Kind die Autonomie, Souveränität und Freiheit, indem es ganz aus eigenem Antrieb handelt und die Werte und Regeln selbst bestimmt.

Das Kind verarbeitet kreativ im freien Spiel die täglichen Erfahrungen, die es in seiner Umgebung macht. Hemmungen, Aggressionen oder Ängste, selbst traumatische Erlebnisse  können abgebaut und in positive Kräfte umgewandelt werden.

 

Durch das freie Spiel können sich Wille, Gefühl und Vorstellungsleben gesund entwickeln. Grundlegende soziale und moralische Fähigkeiten werden für das spätere Leben veranlagt.

 

 

Soziale Fähigkeiten

 

Soziales Miteinander will gelernt sein. Ohne soziale Fähigkeit ist das Leben des einzelnen Menschen und einer Gemeinschaft undenkbar. Diese Lernprozesse beginnen in der Familie und setzen sich im Kindergarten fort. Der Kindergarten gewinnt an Bedeutung, gerade wenn in kleinen Familien die sozialen Übungsfelder begrenzt sind. Er muss daher mehr denn je Grundlagen für soziale Erfahrungsfelder schaffen.

 

Im sozialen Miteinander geht es immer darum, die Interessen, Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen in ein Verhältnis zur sozialen Gemeinschaft zu bringen. Dabei muss sowohl der einzelne Mensch sich mit seinen Fähigkeiten und Intentionen einbringen können (Gestaltungsraum), um aus einem verantwortlichen Freiheitsimpuls heraus Gemeinschaft zu schaffen, in der andererseits möglichst die Belange aller ihren Platz haben. Dazu sind Regeln, Verabredungen und Vertrauen erforderlich. Kinder brauchen Gemeinschaften, in denen sie möglichst viele dieser sozialen Lebensregeln kennenlernen können, um sich an ihnen zu orientieren.

 

Die Entwicklung eines gesunden Willens, der das Leben ergreifen und die eigenen Kräfte beherrschen kann, braucht heute eine verstärkte Aufmerksamkeit. Ein frühes Ansprechen des Verstandes, des Intellekts hilft dabei nicht, ist sogar eher schädlich. Auch der Umgang der Erwachsenen, insbesondere auch der Eltern untereinander wird von den Kindern wahrgenommen und nachgeahmt.

 

Der Waldorfkindergarten ist ein solcher orientierender Lebensraum. In ihm lernen die Kinder einen Struktur gebenden Tages- und Wochenrhythmus kennen, erfahren, dass es Regeln und klare Aufgaben für die einzelnen Kinder und die Gruppe gibt, wie etwa Aufräumen oder Tischdecken. Dabei können sie sich immer wieder am Tun des Erwachsenen nachahmend orientieren und sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und den dabei entstehenden eigenen Gestaltungsraum zu nutzen. Gleichzeitig üben sie sich in praktischen Tätigkeiten.

 

Praktische Umsetzung im Kindergarten:

 

Mag es sinnvoll erscheinen die Fähigkeiten einzeln zu betrachten, so durchweben sie sich in der kindlichen Entwicklung. Bewegung hat auch eine soziale Seite und Sprache hat viel mit Kreativität zu tun. Ziel einer ganzheitlichen Erziehung ist eine Gestaltung des Tages, in dem alle Bereiche in einem lebensgemäßen, sinnvollen Zusammenhang stehen. So erlebt das Kind das Backen nicht über eine Lerneinheit oder ein Bilderbuch, sondern durch das wöchentliche Tun, z.B. das Brötchen- oder Brotbacken für das Frühstück.

 

 

Rhythmus

 

Im Waldorfkindergarten spielt der Rhythmus eine tragende Rolle, er ist nicht einfach Wiederholung des Gleichen. Rhythmus ist ein gesundes Schwingen zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Einatmen und Ausatmen, ein Urelement des Lebens, das Vertrauen schafft und Kraft gibt. Deshalb bildet der Lauf durch das Jahr, und deshalb prägen die Monate mit ihren unterschiedlichen Qualitäten und besonders die Jahresfeste den Tages-, Wochen- und Jahresrhythmus im Kindergarten.

 

Tagesrhythmus

 

ab       7.30 Uhr            die ersten Kinder kommen, anstehende Arbeiten werden vorbereitet

           8.00 Uhr            das gemeinsame Frühstück wird zubereitet / Freispielzeit

           9.15 Uhr            gemeinsames Aufräumen, Tischdecken, gemeinsame Waschraumrunde

           9.45 Uhr            Reigen

          10.00 Uhr           gemeinsames Frühstück

          10.30 Uhr           Freispiel im Garten / Spaziergang

          11.45 Uhr           Abschlusskreis /  Märchen                      

          12.15 Uhr           Mittagessen

          13.00 Uhr           Freispiel drinnen oder draußen

          14.00 Uhr           Ruhezeit für die Ganztagsgruppen-Kinder

bis      14.30 Uhr

ab ca.  14.30 Uhr          Freispiel drinnen und draußen, Spaziergänge, kleiner Imbiss

 

Wochenrhythmus

 

Jeder Wochentag hat eine bestimmte Signatur. Es gibt ein bestimmtes Frühstück und  bestimmte Aktivitäten, die übers Jahr gleich bleiben. Dabei hat jede Gruppe ihre eigene Einteilung.

Aktivitäten, die sich wiederholen sind z.B. Aquarellmalen, Bienenwachskneten, Backen, Eurythmie, Wandern.

 

Jahresrhythmus

 

Der Waldorfkindergarten  ist christlich orientiert, aber nicht konfessionell gebunden. Die christlichen Jahresfeste reihen sich wie Perlen durch das Jahr aneinander.

Das  altersgemäße  Gestalten und Feiern von Ostern, Pfingsten und Weihnachten mit der Dreikönigszeit setzt beim Erwachsenen eine Vorbereitung mit dem geistigen Hintergrund voraus. Sind diese Feste vom Erwachsenen religiös ergriffen, geben sie der Kinderseele Nahrung. Die Kinder haben eine religiöse Grundstimmung in sich, deshalb können sie sich mit diesen Inhalten ehrfurchtsvoll verbinden.

 

So sind es die Feste, die neben dem Naturerleben den Jahreslauf prägen. Für die Kinder ein wohltuendes Wiedererkennen und doch etwas Neues, denn sie selbst verändern sich von Jahr zu Jahr.

 

 

Eurythmie

 

Eurythmie möchte durch eine musisch-ästhetische Bewegung das Kind  in seiner Gesamtheit fördern.  „Eu“ bedeutet das Richtige, das Schöne, das Ausgewogene. „Rhythmus“ nennt man die Einteilung von Zeit. Sprache oder Musik wird mit Eurythmie sichtbar zum Ausdruck gebracht.  Allem liegt ein ihm gemäßer Rhythmus zugrunde.

In der wöchentlichen Eurythmiestunde werden die Kinder künstlerisch an vielfältige Bewegungsmöglichkeiten herangeführt. Gemeinsam werden Verse, Lieder, Märchen und Geschichten  eurythmisch ausgestaltet und rhythmisch wiederholt. Die Welt der Tiere, der Pflanzen, der Menschen oder anderer Wesen bringen dem Kind die Welt nah, in die es hinein wachsen möchte.

 

Gemeinsam mit der Eurythmistin begeben sich  die Kinder nachahmend in harmonisch aufeinander abgestimmte Bewegungsfolgen. Fein- und grobmotorische Geschicklichkeiten werden dabei geübt. Eigenkoordination, Orientierung, Abstimmung im Raum und in der Gruppe fördern die Eigen- und Fremdwahrnehmung und die Sozialkompetenz. Die Vernetzungen synaptischer Verbindungen im Gehirn schaffen eine Grundlage für das Heranreifen der Kräfte, mit dem das Kind später lesen und schreiben lernt. Das Sprachverständnis und die Artikulation der Sprache werden gefördert. Die Fantasie und die Spielfreude während der Eurythmiestunde stärken das Kind in seiner Initiativ- und Lebenskraft.

Kleinkindgruppe

In unserer Kleinkindgruppe werden zehn Kinder von 2-3 Jahren von zwei pädagogischen Fachkräften und einem Praktikanten / einer Praktikantin betreut.

In den ersten drei Jahren eines Kindes werden die Grundsteine für das ganze Leben gelegt. Das Wohl des Kindes zu behüten ist deshalb unser wichtigstes Anliegen.

Das Kleinkind ist wie ein offenes Sinnesorgan, voller Liebe, wahrhaft und gut. Mit großer  Neugierde und Freude nimmt es alles auf, was in seiner Umgebung ist und was Eltern und Erzieher ihm vorleben. Es wird von der Umwelt geprägt bis in seine organischen Strukturen.

Das Kleinkind benötigt die ihm gegebenen Form-  und Schöpferkräfte, um in aller Ruhe und seiner Entwicklung gemäß Gehen, Sprechen und Denken zu lernen. Damit es sich gesund entwickeln kann, ist es unsere pädagogische Aufgabe, ihm einen wohl behüteten, liebevollen „Geborgenheitsraum“ zu schaffen, in dem es durch eine stabile, sichere Bindung zur Bezugsperson Kind sein darf. In diesem Raum kann es sich motorisch, emotional, sprachlich und sozial entfalten und selbständig seinem individuellen Entwicklungsstand gemäß aktiv werden. Daher ist unsere pädagogische Haltung ein von Liebe und Respekt getragenes Verhalten der Persönlichkeit des Kindes gegenüber.

 

Bindung und Eingewöhnung

 

Wenn die Kleinkinder aus dem geborgenen Elternhülle-Umfeld in die noch fremde Kindergartenumgebung kommen, beginnt hier die Aufgabe der Bezugsperson, ein ähnliches, erweitertes Geborgenheitsumfeld zu schaffen. Um das Wohl des Kindes zu behüten, ist eine feinfühlige, achtsame Eingewöhnung wichtig.

Bevor das Kind eingewöhnt wird, findet mit der zuständigen Bezugsperson ein ausführliches Aufnahmegespräch statt, in dem über die bisherige Entwicklung des Kindes und alle anderen Einzelheiten gesprochen wird. Kleinkinder brauchen eine individuelle Eingewöhnung, die sich oft in kleinen Schritten vollziehen kann. Diese werden am Kind abgelesen. Aus diesem Grund ist es wichtig, zwei bis vier Wochen Zeit einzuplanen. Der rege Austausch zwischen Eltern und Erzieher ist eine wichtige Grundlage, um die Individualität des Kindes besser kennenzulernen. Hier können wir von einer „Erziehungspartnerschaft“ sprechen.

Wir orientieren uns bei der Eingewöhnung am „Berliner Eingewöhnungsmodell“.

 

Bewegung und kindliches Spiel

 

Für das Kind ist das Spiel der erste Inhalt des Lebens.  (Rudolf Steiner)

 

Das Entwickeln der motorischen Bewegungsfähigkeit, der emotionalen, sprachlichen und sozialen Kompetenzen, die Ausbildung der Sinne und alles andere, was das Kleinkind aus seiner Schöpferkraft lernen kann, erlernt es im Spiel. Darum ist das kindliche Spiel lebensnotwendig und ebenso wichtig, wie zum Beispiel die Pflege und die Versorgung sind.

Ein Kind spielt, wenn es sich wohl und geborgen fühlt. Wir bieten ihm genügend freien Spiel- und Bewegungsraum, dafür stehen den Kindern Emmi-Pikler- und Elfriede- Hengstenberg-Spielgeräte zur Verfügung. Rückzugsmöglichkeiten für das Kind zum Entfalten all seiner Fähigkeiten in einem geschützten, liebevollen Rahmen sind für uns selbstverständlich. Hierdurch kann sich ein gesundes Vertrauen und Selbstbewusstsein entwickeln.

 

Tagesrhythmus in der Kleinkindgruppe

 

ab        7.30 Uhr                           die ersten Kinder kommen an, Freispiel im Zimmer (Lebensraum) oder im Garten

            9.15 Uhr                           gemeinsames Frühstück

           10.00 Uhr                          Gartenzeit

          11.15 Uhr                          kleiner Kreis mit Liedern, Fingerspielen, Schoßspielen und kleinen Puppenspielen

          11.30 Uhr                           Mittagessen

 

ab ca. 12.15 Uhr                          Schlafenszeit und Ruhezeit

 

Übergang zur Kindergartengruppe

Mit drei Jahren wird bei jedem Kleinkind der Übergang zu den Drei- bis Sechsjährigen angestrebt. Die entscheidende Frage ist immer, ob das Kind die Reife hat, in die Gruppe der Dreijährigen zu wechseln. Das Bemühen um das Wohl des Kindes und seine individuellen Bedürfnisse stehen für die Pädagogen an erster Stelle.

Beim Übergang findet eine kurze Eingewöhnung durch die Bezugsperson statt. Dabei wird darauf geachtet, das Kind nicht zu überfordern. In einem Entwicklungsgespräch mit dem zuständigen Erzieher werden alle Einzelheiten besprochen.

Haltung beim erzieherischen Handeln

Ein Verständnis für die kindliche Entwicklung erschließt sich besonders dann, wenn wir die Individualität des Menschen ernst nehmen, die zwischen Vererbung und sozialem Umfeld ihren eigenen Weg in der Welt sucht.

 

So viel und so detailliert Rudolf Steiner über Erziehungsmethoden auch gesprochen und geschrieben hat, steht doch eines immer im Vordergrund: Die richtigen pädagogischen Schritte und Maßnahmen können sich in der Waldorfpädagogik niemals aus einem Programm, einer Theorie entwickeln, sondern allein dadurch, dass der Erziehende seine Intuition schult, dass er dem Kinde ablauscht, welchen Lebensplan, welche zu entwickelnden geistigen Anlagen es mitgebracht hat.

 

Soll dies gelingen, braucht der Erwachsene den Willen zur Selbsterkenntnis und zur Selbsterziehung.

Erziehungspartnerschaft

Um die pädagogischen Ziele zu erreichen, ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und ErzieherInnen unerlässlich. Dem Austausch dienen pädagogische Elternabende in den Gruppen, Gesamtelternabende oder auch nachmittägliche Elterncafés oder der Familienwandertag. In Einzelelterngesprächen und in den Entwicklungsgesprächen steht das einzelne Kind ganz im Zentrum der Betrachtung von Eltern und ErzieherInnen.

Uns ist es wichtig, mit Eltern im offenen und ehrlichen Gespräch zu sein.

Unser Verpflegungskonzept

Hier können Sie das Verpflegungskonzept herunterladen.

Verpflegungskonzept Waldorfkindergarten Landau